Irgendwann, nachdem ich schon einige Jahre Yoga praktizierte, u.a. den Kopfstand, fiel mir auf dass ich ebendiesen als Kind oftmals übte. Ich machte Kopfstand, außerdem hatte ich Spaß darin die Luft anzuhalten, und zu zählen wie lang ich es wohl aushalten würde.

Der Kopfstand, eine Asana (Körperhaltung), das Luftanhalten, (Sanskrit – Kumbhaka), ein wichtiger Aspekt des Pranayama (Atemübungen, Atemkontrolle).

Andere Dinge aus Kindheits- bzw Jugendtagen kamen ins Bewusstsein: zum Beispiel Autogenes Training, möglicherweise angelehnt an Yoga Nidra (Nidra – Schlaf, eine Entspannungstechnik für Körper und Geist). Mein Vater kam eines Tages heim und brachte es mir bei, hat auch gleich gut funktioniert, ich kann mich gut daran erinnern als ca 10 Jähriger im Bett gelegen zu haben und meinem Arm zu suggestieren dass er schwer und warm wird, und er absolut nicht mehr zu bewegen sei, alles allein durch die Kraft der Gedanken. Zu der Zeit machte ich mir auch intensiv Gedanken über die Zeit nach dem Tod. Was kommt dann? Wo geht man da hin? Wie fühlt sich das an? Gibt es da noch was? Oder ist da nur Leere und Nichts. Was passiert dann mit mir? Wo ist ‚man‘ wenn man Tod ist, wer ist man – wer bin Ich?

Eine weitere mystisch-spirituelle Erfahrung ist mir ebenfalls gut in Erinnerung geblieben, Ich muss wohl mittlerweile 15 oder 16 gewesen sein und aus irgendeinem Impuls heraus tat ich folgendes: Ich verdunkelte das Zimmer vollständig, schloss alle Türen und Fenster, es war nachts und sowieso relativ still, um aber sicherzugehen dass kein Geräusch und kein Licht an mich herandrang vergrup ich mich unter einem Berg von Decken und wickelte eine um meinen Kopf. Warum ich das Tat? Ich weiß es nicht, aber der Impuls war da und es hatte einen tiefgreifenden Effekt. Durch das komplette Ausschalten dieser beiden Sinne richtete ich meine Aufmerksamkeit nach Innen, und was ich vernahm war beeindruckend und weniger beängstigend als vielmehr ergreifend, tiefgreifend, intensiv. Ein tiefes Vibrieren, Summen, fast schon Dröhnen kam aus meinem Inneren schwoll an, wurde immer lauter und umfasste mein ganzes Bewusstsein. Ich war in einen anderen (Bewusstseins)-Zustand eingetreten, ich weiß noch wie ich voller Ehrfurcht und Respekt, ohne irgendwas zu verstehen das Gefühl hatte mit etwas grösserem Kontakt aufgenommen zu haben. Ein Ur-geräusch oder Ur-Rauschen, mein Versuch einer Bezeichnung nahe zu kommen was sowieso nicht möglich ist, eine intensive mystisch, spirituelle Erfahrung. Und ich hatte, ohne es oberflächlich wirklich zu wissen, eine weitere yogische Methode praktiziert: Pratyahara, das zurückziehen der Sinne.

Ich verstand es damals als etwas größeres, und versuchte auch damit zu kommunizieren – der Zustand hielt nie lange an, in der Rückschau, und mit meinem jetzigen Wisssen würde ich sagen er hielt solange an bis mein Gehirn anfing zu denken/ zu analysieren. In den folgenden Jahren konnte ich noch mehrere Male in diesen Zustand eintreten, später nicht mehr.

Ein weitere Erfahrung zu der Zeit waren Erlebnisse die ich in der Einschlafphase hatte und die der ein oder andere Leser möglicherweise auch schon gemacht hat: Man ist nicht mehr wach, und schläft auch noch nicht. Das Gehirn schwingt in einer anderen Frequenz und wir nehmen anders wahr. Wir treten in einen anderen Bewusstseinszustand ein, vielleicht könnte man es eine bewusste Trance nennen. Auch in diesem Zustand vernahm ich eine Art Dröhnen in meinem Inneren, und versuchte Kontakt herzustellen zu irgendetwas was ich nicht benennen konnte, was aber eine tiefgreifende Wirkung auf mich hatte.

Was in den 90er und der ersten Hälte der Nulle Jahre folgte war zusammengefasst: Frust in der Schule und ein knappes Jahrzehnt Party und Feiern. Daszwischen eine Hotelausbildung, viel Widerstand und Unverständnis gegenüber dem Schulsystem im Gymnasium und der Hotelausbildung an sich. Viel Frust, wilde Zeiten des Feierns in Stuttgarter Clubs Bars und Discotheken, Freundinnen, ausschweifende Partynächte usw. Und (berufliche) Perspektivlosigkeit. Führerscheinentzug dank Alkoholfahrt. Frust.

Der große Cut kam im Jahr 2006. Dank der Initiative meiner Eltern, ich könnte doch nach der abgeschlossenen Hotelausbildung auf die Philippinen gehen um dort im Wellness/ Detox/ Healing Ressort ihres Jahrzehntealten Freundes Eckard Rempe im Restaurant zu arbeiten, änderte sich mein Leben, meine Einstellung zum Leben und mein Umgang mit mir selber auf tiefgreifende Weise. Ich hatte im Jahr 2002, kurz vor meinem Ausbildungsbeginn, schon einen 3 Monatigen Aufenthalt im Ressort, half mit beim Bau und hatte somit schon einen ersten Einblick und Begegnung mit allerlei spirituellen Menschen die dort die Mitarbeiter ausbildeten.

Nun, rund 4 Jahre später, einigermassen ausgemergelt (mit gerade mal 26 Jahren doch etwas früh) durch Jahre exzessiver Feierei, wurde es ein längerer Aufenthalt und ich tauchte ein in eine neue Welt, im spirituell orientierten Luxusressort auf den tropischen Philippinen. Ich war angekommen: The Farm at San Benito. Eckard inspirierte nicht nur mich mit fantastischem Rohköstlichen Essen, Yoga, Meditation, intensiven Entgiftungsperioden, grünen smoothies, vielen Kokosnüssen und einer Vision den Menschen zum Gesunderhalt- bzw werden zu verhelfen. Neben meinen Eltern mein erster Guru, ich werde ihm immer dankbar sein für das was er für mich getan hat.

Ich arbeitete schon einige Wochen im Restaurant, und eines Abends, nach der Arbeit entschloss ich mich mal eine Yogastunde zu besuchen. Das war nun der nächste Schritt in eine, nun bewusste, Yogapraxis die bis heute andauert und für die ich unendlich dankbar bin.

Im nächsten Teil beschreibe ich ausführlich meine Erfahrungen auf der Farm, meine erste Yogalehrer Ausbildung und die weiteren Jahre in der Asiatisch-Pazifischen Region. 🙂