RAUHENÄCHTE – WEIHNACHTSZEIT – HEILIGE ZEIT

Ja, ich liebe Programme, die über einen gewissen Zeitraum gehen und in denen man täglich den Fokus auf ein Thema lenkt oder seine Handlungen und Gedanken zu einem Thema überprüft. Für solche Achtsamkeitsübungen nehme ich mir im Lauf des Jahres immer wieder Zeit. Seit einigen Jahren gehören dazu auch die Rauhenächte. Diese 12 Tage in der Weihnachtszeit werden auch Heilige Tage, Zeit zwischen den Jahren, Die Zeit zwischen Vergehen und Entstehen, Niemandsland oder Niemalszeit genannt. Und sie basieren auf einer alten Germanischen Tradition bzw. deren Zeitrechnung mit Sonnen- und Mondkalender. Dazu aber später mehr.

Alte Bräuche haben oft mit den Urängsten zu tun.

Die Angst vor Hunger, Kälte und Tod war während der Wintermonate besonders groß. Es war eine bedrohliche Zeit für die Menschen, vor allem nachdem sie sesshaft wurden und über die Wintermonate nicht mehr in wärmere Gegenden gingen. Aber dennoch haben alle alten Überlieferungen eine gemeinsame Botschaft: Halte inne, komme zu dir, lass das Alte los und gönne dir eine Zeit der Ruhe, um anschließend dem Neuen mit schöpferischer Kraft entgegenzugehen.

Der Dezember und der Januar sind ganz besondere Monate

Der Dezember ist für mich die Zeit der Vorbereitung auf diese 12 Rauhnächte, während denen ich dann mit Achtsamkeit und Bewusstheit das alte Jahr beende und das kommende Jahr vorbereite und begrüße. Innerhalb dieser Zeit hat man auch die Möglichkeit schlechte Tage oder Themen zu transformieren. Hat dadurch also einen Einfluss auf den Verlauf des kommenden Jahres bzw. auf die Samen, die gepflanzt werden. Natürlich kann sich das Neue nur auf der Grundlage des Alten erschaffen. Wenn ich also das Alte abschließe, richtig verabschiede, gehen lasse, danach aufräume, wird vielleicht etwas ganz Andersartiges entstehen können. Wenn ich aber das neue Jahr mit den gleichen einschränkenden Glaubenssätzen beginne, wird das neue Jahr vielleicht wieder viele Herausforderungen bereithalten.

Manchmal scheint es mit sogar, dass sich im Dezember noch einmal das ganze Jahr wie im Schnelldurchlauf zeigt und sich aber ganz subtil auch schon das neue Jahr vorstellt. Ebenso im Januar. Da zeigen sich aber schon mehr die Themen des neuen Jahres. So wie in einer Daily Soap. Am Anfang kommt eine kurze Zusammenfassung der letzten Folge oder auch Folgen und am Ende kommt die Vorschau auf die nächste Folge. Wenn ich also bewusst das Wahrnehme, was ich nicht mehr haben möchte, dann kann ich mich dafür entscheiden es zu verändern.

Alles in der Schöpfung läuft in Zyklen ab. So auch ein Jahreslauf.

Es ist das Konzept der Dreiheit, das die drei Kosmischen Funktionen der Erschaffung (Aufbau), Erhaltung und Zerstörung (Aufbau) darstellt. Im Yoga sind das die Götter Brahma der Schöpfer, Vishnu der Erhalter und Shiva der Zerstörer. Zerstörung sollte man hier aber nicht mit Angst belegen, weil es sich um eine Transformation handelt. Dinge müssen vergehen, damit Neues entstehen kann. So wie im Herbst alles einem Abbauprozess unterliegt, der Winter die Zeit des Stillstandes ist, die eigentlich eine Zeit der Transformation ist, damit im Frühling das Leben wieder sprießen kann, sich aufbaut und im Sommer eine lange Zeit alles erhalten bleibt, geerntet wird und dann beginnt mit dem Herbst wieder der Abbau.

So sollte man eigentlich das ganze Leben betrachten und leben. Alles was sich in einem abbauenden oder transformierenden Prozess befindet, hat seinen Lebenszyklus gehabt. Darf gehen und für alles was geht, kommt etwas anderes. Und meist ist es sogar etwas besseres! Vielleicht versteht man in dem Moment nicht, warum das gerade passiert und möchte nicht davon loslassen, hält fest, aber vergrößert dadurch nur den Schmerz und das Leid. Leben musst du das Leben vorwärts, aber verstehen tust du es oft nur rückwärts.

Woher kommt die Tradition der Rauhnächte?

Die Differenz zwischen Sonnen- und Mondjahr

Die alten Germanen hatten in ihrer Zeitrechnung nicht wie wir nur das Sonnenjahr, sondern orientierten sich am Mondjahr. Lassen wir Schaltjahre und Nachkommastellen mal außen vor, dann hat ein Sonnenjahr 365 Tage und ein Mondjahr bestehend aus 12 Mondzyklen hat 354 Tage. Ergibt also eine Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten. Und diese Differenz, die Zwischenzeit, die sich außerhalb der Zeit befindet sind die Rauhnächte. Da die Anzahl der Tage aber nicht so exakt ist, kommen jetzt dich wieder Nachkommastellen in Spiel und deshalb ergeben sich für die Rauhnächte 12 Tage.

DIe Mystische Zahl 12

Wobei die 12 auch eine besondere Zahl ist, die wirklich oft vorkommt. 12 Monate umkreist die Erde die Sonne. 12 Mondzyklen ergeben ein jahr. Der Tag besteht aus 2x12 Stunden. Das Radix der Astrologie besteht aus 12 Tierkreiszeichen und 12 Häusern. Jesus und seine 12 Jünger. Artus Tafelrunde mit den 12 Rittern. Wir haben 12 Hirnnerven und 12 Brustwirbel. Wir haben 7 Chakras, von denen fünf nach vorne und hintem geöffnet sind. Macht also 12 Energiewirbel. Die DNA hat 12 Stränge – zumindest in der Spirituellen Welt. Und nicht zu vergessen: 3 x 4 = 12. In der Zwölf verbinden sich der göttliche Geist (3) und die materielle Ganzheit (4). Repäresentiert also die Schöpferkraft, die Vollständigkeit und Einswerdung von Naturprinzipien und alles erfüllendem, göttlichem Geist.

In den zwölf heiligen Nächten liegt also eine sehr große Kraft. Es sind die Nächte der Besinnung auf die Vergangenheit, der Bewusstwerdung in der Gegenwart und auf die Planung der Zukunft. In dieser Zeit wird das Schicksal des Neuen Jahres gewoben und je bewusster wir diese Zeit gestalten, umso “sinn-voller” wird unser neues Jahr!

Der Zeitraum der Rauhenächte

Für den Beginn der Rauhnächte findet man in den einzelnen Quellen unterschiedliche Daten. Manche sagen, sie gehen vom 25.12.-5.01., bei anderen ist es vom 26.12.-6.01. und sogar den Zeitraum vom 21.12.-6.01. habe ich gefunden, was dann aber 16 Tage wären. Wobei es aber auch nicht schaden kann 16 Tage mit Achtsamkeit und Bewusstsein zu leben.

Wobei ich mir den Beginn mit dem 21. Dezember daurch erklären kann, dass es der Tag der Wintersonnenwende ist. Der kürzeste Tag oder auch die längste Nacht des Jahres. An diesem Tag wird das Licht oder auch die Sonne wiedergeboren und kommt dann vielleicht mit einer Verzögerung von ein paar Tagen zu uns auf die Welt. Sprich es ist etwas schon im Feinstofflichen angelegt, braucht aber noch ein bischen, bis es sich in der Materie zeigt. Der 21.12. ist die Thomasnacht. Thomas bedeutet “Zwilling” und der Apostel Thomas wurde als Zwilling von Jesus angesehen.

Die Mutternacht der Rauhnächte ist der 24.12. Heilig Abend und die Geburt von Jesus Christus. Astronomisch gesehen durchläuft die Sonne In der Nacht vom 24. auf den 25.12. den tiefsten Punkt im Jahreslauf. Im Osten steigt das Sternbild Jungfrau empor. In dem Augenblick, in dem die Jungfrau ihre Füße auf den Horizont setzt, weiß man, dass die Sonne wieder aufwärts steigt und damit der Welt Leben beschert.

Die Mystik der Rauhnächte

Es heißt, in dieser Zeit werden die Grenzen zur Anderswelt sehr dünn. Die Tore zur Anderswelt sind geöffnet.

Das kann man jetzt positiv oder auch negativ bewerten, wenn man denn überhaupt werten möchte! Vielleicht ist es so, dass wir in dieser Zeit der Besinnung Zugang haben, zu tiefen inneren Prozessen. Es ist die Dunkelheit. Die Zeit des Mondes. Die Emotionen und unbewussten Bewegungen, die man in der Sonnenzeit nicht sehen kann und vor denen so viele Menschen Angst haben. Angst vor ihren eigenen Ängsten, aber auch vor der Stärke ihrer eigenen Seele.

So gab es also die die Pessimisten, die Angst vor Geistern und düsteren Wesenheiten hatten und diese Abwehren wollten. Karneval beginnt bestimmt auch nicht ohne Grund am 11.11. und endet am 5.01. mit den Perchtenumzügen. Die Wilde Jagd, durch die die bösen Geister vertrieben werden. Astronomisch hat an diesem Datum das Sternbild Orion, der Jäger mit seinen Hunden, seinen Höchststand erreicht. Frau Holle ist die Schutzpatronin dieser Tage. Mit neun Kinderseelen, einer Schar Hexen, Druden und allerlei Naturgeistern jagt auch sie über den Himmel. Nach dem Abendläuten durfte man nicht mehr vor die Türe gehen, da man des Todes sei, wenn man der “Wilden Jagd” begegnen würde.

Die Optimisten, die wahrscheinlich keine Angst vor dich selbst und den tiefen Abgründen ihrer Seele hatten, entschieden sich dafür “Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Es kommt der Herr der Herrlichkeit “ zu singen. Für sie war es eine Zeit, in der man Einblicke und Erkenntnisse erhält, die an den anderen Tagen des Jahres nicht möglich sind. Und das sind die Rauhenächte auch für mich. Wenn ich hinschaue, die Ängste zulasse, die unbewusst mein Leben bestimmen, dann kann ich sie verändern und dadurch natürlich auch mein Leben positiv verändern. Denn alles, was man nicht haben möchte, was man unterdrückt oder was gehen soll, beginnt einen zu verfolgen, wird übermächtig und endet mit immer Einschränkungen im Leben.

im nächsten Artikel schreibe ich, wie du dich auf die Rauhenächte vorbereitest.